Ruanda 2010

Ruanda(Rwanda) nennt sich auch das »Land der tausend Hügel«. Ein idyllischer, magischer Ort mitten in Afrika, der noch weitgehend von Touristen verschont geblieben ist.

Am 20.April 2010 sollte unser Flug, zunächst nach Kenia und dann über mehre Zwischenstationen mit abenteuerlichen Flugmaschinen nach Ruanda, gehen. Es ist ein enormer bürokratischer und monetärer Aufwand dieses Land zu bereisen. Monatelange Planungen muss man einkalkulieren.

Genau zu dieser Zeit am 20.März brach der unaussprechliche isländische Vulkan »Eyjafjallajökull« aus und legte quasi den gesamten europäischen Flugverkehr lahm. Schreckliche Minuten vor dem Abflug – Bis der Pilot schlussendlich den Start verkündete (Es war einer der letzten Starts überhaupt aus Deutschland). Wir hatten einfach nur Glück.

Ankunft

Ankunft in Ruanda – Die Reise startet mit der Begegnung der ruandischen »Straßen«. Drei Stunden lang über eine Piste, deren Schlaglöscher teilweise 60cm bis 100cm tief waren. Sowas hatte ich noch nicht gesehen. Jeden Meter wurden wir durch den ziemlich belastbaren Jeep geschleudert. Unser Guide und Fahrer brachte dazu alle paar Minuten seinen Standardwitz: »That’s our tourist massage«. Kann man so sehen. 

Aufbruch

Aufbruch zu den Berggorillas – Eine solche Landschaft kannte ich bisher nur in Fantasiefilmen. Nur Berge , nur Grün. Saftiges Grün. Man glaubt einfach nicht dass man sich gerade tief in Afrika befindet. Und so sauber. Es gibt in Ruanda quasi keinen Müll. Plastiktüten etc. sind verboten und alles wird verwertet. Wunderbare Philosophie.

Wir befinden uns in den Virunga-Vulkangebirgen. Jeder einzelne Schritt ist hier anstrengend. Wer im Skiurlaub schonmal oben auf den Bergen den Berghang hochgelaufen ist kann sich ungefähr vorstellen wie sich die Wanderungen angefühlt haben. Wir sind auf 1500-2000m Höhe bei ungewohnter Luftfeuchte. Das Atmen fällt sehr schwer.

Der »Permit«, so nennen die Organisatoren einen Trip zu den Gorillas, startet um 05.30Uhr. Erst über flaches Land und dann geht es durch ein »Loch« ab in den Dschungel. Ab jetzt ist 3,5 Stunden klettern angesagt, denn die Berge sind hier mit merkwürdigen flach Gewächsen überwuchert, teilweise bis 1,5m über festem Boden. Kriechend, kletternd bewegt man sich fort und sackt alle paar Meter ein. Aber es lohnt sich…

Susa Group

Nur noch ein paar Meter, diesmal ganz bestimmt. Und tatsächlich. Wir kommen auf eine kleine Lichtung und zu meiner linken sitzen die ersten 4 Gorillas, keine 5 Meter von mir entfernt. Dieses Gefühl, das ich damals hatte, ist unbeschreiblich. Sie schauen dir in die Augen, sind interessiert aber lassen sich nicht weiter stören bei Ihrem Sonnenbad. Harmonie.

Es ist die Susa-Group mit 33 Gorillas inklusive 2 Silberrücken. Die Susa-Group war übrigens die Gorilla-Gruppe die damals von der bekannten Wissenschaftlerin Dian Fossey studiert wurde. Ich fühle mich in diese Zeit versetzt und stelle mir vor auch mit Ihnen zu leben.

Unser Guide sagte, das man einen Abstand von ca. 7 Metern halten solle. Schon nach den ersten Metern konnten wir diese Distanz allerdings nicht einhalten. Ein Jungtier spielte gerade in einem Busch, und wir standen blöderweise zwischen Ihm und seiner Gruppe. Komische Situation wenn um dich herum 20-30 100-200 Kilo Affen sitzen und das Jungtier fängt an zu schreien. Doch der kleine fasste sich ein Herz und sprang zwischen uns durch. Alles gut gegangen. Der Aufenthalt beträgt nur eine Stunde. Danach verlässt man die Gruppe wieder. Nach 55 Minuten raschelte ein Baum. Ein Augenblick später riss der, in der Baumkrone sitzende, Silberrücken den ganzen Baum auseinander und ließ sich nach unten fallen. Das war der größte Gorilla im Virunga Gebirge. Ein Koloss von ca. 200 Kilo.

Group 13

Am zweiten Tag besuchten wir die Group 13. Ursprünglich 13 Tiere, heute 27 mit einem Silberrücken. Die Flora hat sich geändert. Heute gehen wir durch einen Bambuswald. Die Pflanzen ungewöhnlich hoch (15-20 Meter) und dick (D=15cm). Nach etwas mehr als 2 Stunden erreichen wir die Gorillas. Zerstreut über ein paar hundert m² liegen und sitzen Sie in den Büschen. Die meisten essen, einige Zanken sich und andere liegen einfach da und relaxen. »Wie bei uns Menschen« dachte ich mir und schoss ein paar Bilder mit meiner alten Canon Eos 10D.

Auf einmal raschelt es neben mir. 2 Meter entfernt in einem Gebüsch sitzend schauen mich zwei ziemlich große Augen an, umrahmt von einem gewaltigen Kopf. Ein Gorilla-Männchen im besten Alter. Und tatsächlich verspüre ich keine Angst. Egal wie nahe die Tiere einem kommen. Es ist ein Gefühl der Vertrautheit. Ich weiß, wenn einer dich packt ist es in einer Sekunde vorbei. Gorillas tun sowas aber nicht. Hier wurde mir klar wie ähnlich wir uns sind und wie schützenswert diese Wesen sind.

Zufälligerweise wurde einige Tage zuvor ein Gorillababy in genau jener Gruppe geboren. Ein Gorilla Baby in freier Wildbahn ist sehr selten anzutreffen. Wir hatten abermals merkwürdiges Glück. Wie Wächter saßen andere Gorillas in ein paar Metern Abstand um Mutter und Kind herum. Mutter und Kind waren aber locker. Sie erinnerten mich wieder an Menschen, nur das Gorilla Babys weniger schreien. So weiter geht’s. Der Silberrücken lässt einen urigen Brüll los und die Gruppe setzt sich in Bewegung. Das Baby muss sich auf dem Rücken der Mutter festhalten. Hier gibt es keinen Kinderwagen Service. Wir wandern mit den Gorillas noch etwas die Berge hoch und dann war es auch schon wieder Zeit für uns zu gehen.

Abschied

Der Abschied fällt schwer. Diesen Ort, die freundlichen Menschen und die faszinierenden Gorillas zu verlassen fühlt sich irgendwie falsch an. Wir sind uns einig, dass wir wiederkommen. Dann gerne auch etwas länger. 

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